Die Kooperative Kasinthula Cane Growers (KCG) befindet sich im unwirtlichen Gebiet des Shire Valleys im Süden Malawis, einem der ärmsten Länder im Süden Afrikas. Dürre, Hungersnöte und zeitweise Überflutungen setzen den Bewohnern Malawis zu. Bittere Armut ist in Malawi sehr weit verbreitet. Die Landwirtschaft stellt die Lebensgrundlage für 85 % der Einwohner dar. Meist werden Produkte wie Mais, Maniok, Reis, Zuckerrohr oder Baumwolle in kleinen landwirtschaftlichen Betrieben angebaut. Zucker ist das drittwichtigste Exportgut nach Tabak und Tee. Die Entwicklung des Zucker-Sektors wird von den hohen Investitionskosten, der schlechten Infrastruktur, den unzureichenden Gesundheitseinrichtungen, der mangelnden Unterstützung sowie der fehlenden technischen Ausstattung erschwert.
KCG wurde 1996 gemeinsam von der staatlichen Zuckerkooperative und einer Zuckermühle gegründet. Das Ziel des Projektes war es, ungenutztes Land in Zuckerrohrfelder umzuwandeln um Zuckerrohr an die Mühle zu liefern. Gleichzeitig sollten auch Verdienstmöglichkeiten für die Selbstversorgungsbauern geschaffen werden, die kaum genug Nahrung für den Eigenbedarf anpflanzen konnten. Das Projekt umfasst 1.200 Hektar vom Staat gepachtetes Land, das in 2,5 bis 3 Hektar große Grundstücke unterteilt ist. Von Beginn an war das Projekt mit hohen Schulden belastet, die für den Ausbau der Infrastruktur von ausländischen Gläubigern aufgenommen wurden. Die Schulden explodierten, als die lokale Währung gegenüber dem US-Dollar abgewertet wurde und die Zinsen in die Höhe schossen. Durch gutes Management und staatliche Unterstützung hat sich die finanzielle Lage mittlerweile etwas entspannt. Zwar können noch keine Gewinne verzeichnet werden, aber zumindest können die Bauern von den Einnahmen leben.
KCG erhielt 2002 die Fairtrade-Zertifizierung und liefert seither Fairtrade Zucker nach Großbritannien, in die EU und in die USA. Neben dem Fairen Preis erhält die Kooperative eine Prämie in der Höhe $480 pro Tonne, die für gemeinnützige Projekte der Gemeinschaft reserviert ist. Als erstes wurde in den Zugang zu sauberem Wasser investiert. Für die kommenden Jahre ist der Bau einer weiterführende Schule sowie eines Gesundheitszentrums geplant.
Etwa 30 % der Produktion wird an Fairtrade-Abnehmer verkauft. Diese beinhalten Unternehmen aus Belgien, Deutschland, Norwegen und den USA. Wichtige Käufer sind Billington’s, the Co-op, Equal Exchange, Napier Brown, Nirvana Sugars, Traidcraft und Whitworths.
Der von KCG produzierte Zucker ist in unterschiedlichen Verpackungen erhältlich sowie in Keksen, Kuchen, Schokolade, Getränken und auch in Körperpeelings und Gesichtsmasken enthalten.
Die Mitglieder von KCG haben demokratisch beschlossen, dass 30 % der Fairtrade Prämie in bar an die Bauern ausbezahlt wird und 30 % für Gemeinschaftsprojekte wie Stromanschluss oder Straßen verwendet wird. 40 % wird für die nachhaltige Wirtschaft, also für neue Pflanzen und Maschinen, ausgegeben.
Der Zugang zu sauberem Wasser hatte Priorität für die Bauern. Für drei Dörfer wurden insgesamt 12 Bohrlöcher gegraben und in einem Dorf sogar Wasserleitungen zu den einzelnen Häusern verlegt. Zuvor musste das Wasser vom Shire River geholt werden, was mit Risiken wie Krankheiten und Krokodilattacken verbunden war.
Außerdem konnten dank Fairtrade praktisch alle Mitglieder neue Häuser bauen. Als 2005 eine schwere Dürre die Region heimsuchte, wurden zwei zusätzliche Zahlungen für Nahrungsmittel aus dem Topf der Fairtrade Prämie an die Bauern ausbezahlt.
2006 wurde auch in den Kauf von Medikamenten gegen die weitverbreitete Bilharzia-Krankheit investiert und vier spezielle Fahrräder gekauft, mit denen Patienten zu medizinischen Behandlungen gebracht werden können.
Weiters wurde ein 3,5 Tonnen schwerer LKW gekauft, mit dem die Ernte, landwirtschaftliche Maschinen und Personen transportiert werden können.
Obwohl immer noch große Herausforderungen zu bewältigen sind, hat die Zusammenarbeit mit Fairtrade bereits konkrete Fortschritte gebracht und die Mitglieder von KCG können mit Optimismus in die Zukunft blicken.