Farm: Nietbegin, Stellenbosch, Südafrika
Fairtrade-Zertifizierung für: Weintrauben
Fairtrade-Endprodukte: Thandi Weine und Place in the Sun Weine
Die Nietbegin-Farm, auf der Charl Wenn als Produktleiter arbeitet, erhielt 2006 die Fairtrade-Zertifizierung. Seine 20-jährige Nichte Alvercia Juries ist die erste Person der Gemeinschaft, die auf die Universität geht. Ihre Studiengebühren werden durch die Fairtrade Prämie finanziert.
Charl Wenn wuchs auf der Fransmanskraal-Farm auf, auf der schon drei Generationen Wenns vor ihm gearbeitet hatten. Nach der elften Klasse beschloss er, die Schule abzubrechen, um ebenfalls auf der Farm zu arbeiten. Er startete seine Karriere als gewöhnlicher Arbeiter, dann wurde er Traktorfahrer und Bereichsleiter, bevor er seine Stelle als Produktleiter antrat. Vor zwei Jahren flog Charl Wenn nach Kapstadt, wo er mithalf, die Thandi Weine auf dem bekannten Soweto Wine Festival zu vermarkten. Er war der erste seiner Familie, der eine Flugreise unternahm – finanziert durch die Fairtrade Prämie.
Im Jahr 2001 wurde Fransmanskraal-Farm in eine Joint-Venture umgegründet, die jetzt als Nietbegin bekannt ist, was so viel wie „Neubeginn“ bedeutet. Die „Carpe Diem Workers Trust“, bestehend aus Landarbeitern der Fransmanskraal-Farm und der angrenzendenWaterkloof-Farm, hält 50 % der Aktien von Nietbegin. Seit der Fairtrade-Zertifizierung 2006 liefert die Joint-Venture die Trauben für die Weinmarken Thandi und Place in the Sun.
Die Fairtrade-Prämie 2011 lag bei 600.000 Rand (über 50.000 Euro). Durch die Prämie wird ein Teil der Schulgebühren der Kinder der Farmarbeiter abgedeckt. Dadurch haben die Kinder die Möglichkeit, aus einer großen Anzahl High Schools in der Umgebung auszuwählen. Früher musste Charl Wenn häufig Geld borgen, um die Ausbildung seiner Kinder finanzieren zu können.
Einige der „Carpe Diem Kinder“ nehmen an Computerkursen teil. Charl’s Tochter hat kürzlich eine Büroausbildung absolviert. „Heutzutage wollen die Kinder studieren“, sagt Charl, „weil sie wissen, dass sie eine Zukunft haben."
Auch Alverica ist gerade mitten in ihrem Studium. Die 20-Jährige, deren Eltern beide auf der Nietbegin-Farm arbeiten, wird in zwei Jahren ihre Ausbildung zur Krankenschwester abgeschlossen haben. Sie genießt jeden Moment ihres Studiums, am meisten mag sie die praktischen Kurse. „Ich habe immer gewusst, dass ich Pflege studieren möchte, aber ich hätte mir nie erträumt, dass ich die Chance dazu habe“, sagt Alvercia.
Der Carpe Diem Gemeinschaft liegt es besonders am Herzen, das Drogenproblem in der Region in den Griff zu bekommen. Dazu wurden mit Hilfe der Fairtrade Prämie zwei Sportvereine gegründet, um die Jugend von Drogen fernzuhalten. Im Netzball- bzw. Rugby-Club lernen die Jugendlichen wichtige Erfahrungen, wie etwa mit Rückschlägen umzugehen oder Selbstdisziplin. Mit der Fairtrade-Prämie wurde außerdem ein Unterhaltungszentrum und die Sanierung der örtlichen Krippe finanziert.
Für das nächste Jahr ist ein großangelegtes Wohnprojekt geplant. Während die Grundmauern des „Agri-Dorfs“ vom Staat finanziert und gebaut werden, wird sich die Gemeinschaft um die Innenausstattung kümmern.